Networking auf Branchenevents


Heute beginnen die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin und sind – wie jedes Jahr – gesäumt von Agenturempfängen, Partys und sonstigen Events. 
Die ganze Branche kommt zusammen; ein großes Klassentreffen, mit all jenen, die man bereits kennt. Aber wie nutzt man solche Veranstaltungen, um neue Leute kennen zu lernen und zum Beispiel CasterInnen positiv im Gedächtnis zu bleiben?

“Wenn man Branchenevents gut für sich nutzen kann, sind sie unbedingt sinnvoll. Wenn nicht ggf. sogar schädlich”, sagt Alina Gause, Beraterin für KünstlerInnen und Dozentin am iSFF.
Denn wer seinem eigenen, natürlichen Gefühl für passende und angemessene Kontaktaufnahme, das im Alltag meist automatisch gut funktioniert, auf Branchenveranstaltungen nicht vertraut oder glaubt, es überwinden zu müssen, wirkt schnell unsicher und macht im schlimmsten Fall eher einen schlechten Eindruck.
In Alina Gauses Workshop “Die dritte Person” – Anbieten ohne Anbiedern, stellen die TeilnehmerInnen darum typische Situationen solcher Events nach um aufzuzeigen, “wie unpassend Verhaltensweisen sein können, die Schauspielern gerne empfohlen werden oder die sie selbst für zielführend halten, wie “Hartnäckig bleiben”, “Überall sein”, “Auffallen”…”, erzählt Gause.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, locker und entspannt ins Gespräch zu kommen, schließlich gehen CasterInnen mit dem erklärten Ziel, persönlich mit SchauspielerInnen zu sprechen, zu Agenturempfängen.
“Auf Agenturempfängen verstehe ich es schon als meine Aufgabe, mich mit Klienten zu unterhalten. Man kann mich gerne ansprechen, sollte aber ein Gefühl dafürhalten, ob die Situation oder Stimmung so ist, dass man länger stehen bleiben kann oder ein Gespräch im Moment passt.”, sagt Tina Böckenhauer von Böckenhauer Casting.


Laufende Gespräche zu unterbrechen, indem man nassforsch von sich erzählt oder sang und klanglos Visitenkarten verteilt, wirkt unhöflich und hinterlässt sicher keinen positiven Eindruck. Besser ist es, sich – da, wo es passt – in Gespräche einzubringen, einen interessanten Beitrag zu leisten, als Mensch positiv und sympathisch zu wirken, dann kommt das Interesse des Gegenübers an der eigenen Person ganz von allein.
Auch CasterInnen, RegisseurInnen, ProduzentInnen und Co sind Menschen, die bewusst zu einem Branchenevent gehen und sich freuen, interessante neue Bekanntschaften zu machen, egal aus welchem Gewerk.
“Gespräche, die uns interessieren, nützliche Informationen oder ein gutes Gefühl zu uns selbst vermitteln, merken wir uns.”, sagt Alina Gause. Wenn man auf diese Weise positiv im Gedächtnis geblieben ist, kann man anschließend immer noch “daran anknüpfen, indem man links, Informationen oder Anregungen hinterherschickt.”

Auch Tina Rinderspacher,  Casterin bei UFA Serial Drama empfiehlt:
“Man kann gerne was von sich erzählen, aber man hat nicht die Aufgabe, die ganze Vita auswendig aufzusagen. Man sollte vielleicht versuchen ein persönliches Gespräch oder Small Talk zu führen. Die beruflichen Aspekte kommen in dem Kontext dann automatisch zur Sprache.”

Alina Gause schlägt vor, sich bei Unsicherheiten vorzustellen, “wie schnell das Bild sich wenden könnte, wenn man auf den Namensschildern die Berufsbezeichnungen (Schauspieler, Caster, Regisseur,…) tauschen würde: die Menschen wären dieselben, aber die Rollen […] vertauscht.”
Ein guter Tipp! Denn auch CasterInnen und Co. merken natürlich sofort, wenn man nur aufgrund ihrer Funktion mit ihnen spricht und kein darüber hinaus gehendes Interesse besteht.

“Problematisch für SchauspielerInnen ist ja in der Regel das Gefühl, dass sie mit den anwesenden Arbeitgebern nicht auf Augenhöhe sind.”, erzählt Alina Gause.
Dabei ist es gar nicht im Interesse der CasterInnen, SchauspielerInnen als Bittsteller zu betrachten. Im Gegenteil: Die meisten CasterInnen lieben Schauspieler, sie haben sich einen Beruf gewählt, in dem sie sich täglich mit darstellenden KünstlerInnen beschäftigen und wissen sehr wohl, dass man sich ergänzt und aufeinander angewiesen ist.

Unser Fazit daher: Verhalte Dich auf Branchenevents möglichst natürlich und angstfrei und versuche Deine Gesprächspartner nicht ausschließlich nach ihrem Beruf oder dem Nutzen für Deine Karriere zu bewerten. Nur dann, entstehen für beide Seiten angenehme Gespräche, die zu ehrlichem und nachhaltigem Interesse an Dir führen.

Das gesamte Interview mit Alina Gause, findest Du hier.

Weitere Informationen zum Workshop “Die dritte Person” – Anbieten ohne Anbiedern.

 

 

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