Wer nutzt eigentlich filmmakers?

Als SchauspielerIn ist man bei einer Datenbank angemeldet um die eigene digitale Präsenz zu stärken, um gefunden und besetzt zu werden. Doch machmal erleben wir es, dass der nicht immer transparente Castingprozess für einige SchauspielerInnen die Fragen aufwirft: Wie ist man eigentlich auf mich aufmerksam geworden? Wurde ich überhaupt über meinen Eintrag in der Datenbank gefunden? Oder war es eine kosmische Fügung, mein Agent oder schlichtweg Zufall? Und nutzen CasterInnen die Datenbanken wirklich?

Wir können euch nicht alle eure Fragen beantworten. Allerdings haben wir hier die aktuelle Liste 2020 der Datenbanknutzung des BVCs. So könnt ihr einfach selber nachschauen, welche CasterInnen mit welchen Datenbanken arbeiten und euch ein eigenes Bild machen.

Bei einem Blick auf die Liste wird schnell deutlich, dass filmmakers auch dieses Mal die meistgenutzte Datenbank ist. Für euer Vertrauen möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Es macht uns stolz und glücklich, ein wichtiger Bestandteil des Castingprozesses zu sein und wir hoffen, euch auch in Zukunft weiterhin so happy machen zu können. 🙂

Sonnige Grüße von eurem filmmakers Team! ❤

Intimität mit Regeln

Was ist ein “Intimacy Coordinator”?

Wir kennen sie alle, die erotischen Szenen in einem Film oder einer Serie, die gelegentlich so delikat sind, dass sie einigen von uns eine dezente Schamesröte ins Gesicht zaubern. Doch während wir dabei eingekuschelt und mit einer Tüte Chips bewaffnet auf der Couch sitzen, sind die SchauspielerInnen dieser Szene in einer ganz anderen Situation. Denn der Dreh dieser intimen Begegnung war alles andere als gemütlich – er war harte Arbeit! Was nämlich auf dem Bildschirm nach einem vertrauten Moment zu zweit aussieht, ist letztendlich ein gut ausgeleuchtetes Rudelgucken mit einer Crew von bis zu 100 Leuten.

Klar, es ist in dem Augenblick auch der Job der SchauspielerInnen und daher wird eben eine solche Szene genauso professionell behandelt wie jede andere – hoffentlich! Denn nicht nur, dass es grundsätzlich eine sehr sensible Situation ist. Stellt euch vor, ihr sollt möglichst sexy, vielleicht wild stöhnend eine Sexszene nachstellen, bei der ihr nackt seid und werdet dabei von unzähligen Menschen drum herum betrachtet und bewertet. Es kann sogar zu übergriffigen, unangebrachten und schlichtweg unprofessionellen Handlungen am Set kommen. SchauspielerInnen berichteten bereits von Regisseuren, die sie zu Nackt- und Sexszenen über das vereinbarte Maß hinaus gedrängt haben. Es soll zum Beispiel plötzlich viel mehr Haut gezeigt werden! Schauspielerin Ruth Wilson hat offenbar genau aus diesem Grund die Serie „The Affair“ verlassen.

Aber auch auf den ersten Blick unscheinbare Handlungen oder Umstände, können als extrem unangenehm empfunden werden. Zum Beispiel stellt sich bei einer solchen Drehsituation die Frage, ob wirklich das gesamte Produktionsteam am Set sein muss? Oder ob man nicht besser nur mit der für diese Szene benötigten Crew arbeiten kann. Auch Berührungen können und sollten vorher festgelegt werden, wo möchte jemand vielleicht gar nicht angefasst werden und wo ist es völlig okay?

Um genau solche Fälle zu vermeiden, hat Netflix für seine Serie „Sex Education“ die Britin Ita O`Brien engagiert. Sie ist seit 2017 als „Intimacy Coordinator“ tätig und betreut mittlerweile viele verschiedene Produktionen. Seit einigen Monaten gibt es auch im deutschsprachigen Raum jemanden, die das Thema „Intimität am Set“ aufgreift: Schauspielerin Julia Effertz. Sie wurde von Ita O`Brien zur Intimitäts Koordinatorin ausgebildet und erzählt uns im folgenden Video, was ihre Aufgaben sind und warum diese Tätigkeit so wichtig ist!

Gemeinsam mit Dir!

Die Entwicklungen der vergangenen Tage haben in unserer Branche zu einer Situation geführt, die für viele Kolleginnen und Kollegen folgenschwere finanzielle Einschränkungen mit sich bringen wird. Wir bei filmmakers sind uns dabei bewußt, dass für manch einen schon jetzt die gesamte persönliche und berufliche Existenz bedroht ist.
Daher haben wir uns in den vergangenen Tagen Gedanken darüber gemacht, welchen Teil wir dazu beitragen können, Euch zu stärken und unsere Solidarität mit Euch zu zeigen.

In einem ersten Schritt haben wir bereits in der vergangen Woche damit begonnen, Einzüge bis Mitte April zu verschieben, Zahlungsziele zu verlängern und uns dazu entschieden, auf Zahlungserinnerungen für die gesamte Zeit der Corona-Krise zu verzichten. All jenen, die sich schon jetzt nicht in der Lage sehen, die finanziellen Folgen zu stemmen, möchten wir darüber hinaus individuelle Angebote machen, die noch darüber hinaus gehen. Bitte schreibt unserer Buchhaltung buchhaltung@filmmakers.de , wenn Ihr in diesen Zeiten eine filmmakers-Rechnung in Euren Mails findet oder noch Zahlungen aus der Vergangeheit offen sind und Euch zeitgleich die Finanzen den Schlaf rauben.

Wir werden in allen Fällen versuchen, eine individuelle Lösung für Euch zu finden, die Euch entlastet, sei es durch großzügige Zahlungsaufschübe oder Vereinbarung von passenden Ratenzahlungen etc. .

Zugleich wollen wir aber auch den Blick in die Zukunft richten, denn wir sind uns nicht zuletzt mit unserem Kooperationspartner Bundesverband Casting e.V. (BVC) sicher, dass unmittelbar in Zeiten nach „Corona“ mit Hochdruck gedreht werden wird. Nutzt daher auch die unfreiwillig freie Zeit, Euer Material zu kontrollieren und gegebenenfalls Einträge in Bezug auf Wohnorte, Sprachkenntnisse etc. zu aktualisieren, denn die Caster haben gerade jetzt mehr Zeit, um Showreels und Viten zu sichten.

Falls Eure Agentur Mitglied im Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater e.V. (VdA), den wir in dessen Auftrag mit unseren IT-Services unterstützen, ist, dann wird Euer Profil möglicherweise automatisch mit den Daten aus dem Datenpool des Verbandes der Agenturen aktualisiert.
Sprecht also gegebenenfalls zunächst mit Eurem Agenten über die Möglichkeiten, die der „Pool“ zu bieten hat.

Solltet Ihr bei der Bearbeitung Eurer Profile unsere Unterstützung benötigen, dann seid ihr ebenfalls herzlich eingeladen, uns zu kontaktieren.
Ihr erreicht uns aufgrund der aktuellen Situation allerdings nicht wie gewohnt im Büro, sondern nur per Mail an service@filmmakers.de.
Schickt aber bei Fragen gerne Eure Mobilnummer mit, dann können wir Euch, falls gewünscht, so schnell wie es uns aufgrund der besonderen Situation möglich ist, zurückrufen.

Nun hoffen wir, dass diese Information für all diejenigen unter Euch, die schon heute am stärksten betroffen sind, eine gewisse Erleichterung bedeutet. Gemeinsam mit Euch drücken wir die Daumen, dass sich die Situation so schnell wie möglich verbessert.

Wir wünschen allen, die in diesen Tagen erkrankt sind, gute Besserung, werdet schnell wieder gesund. Und allen die gesund sind – bleibt es!

Herzliche Grüße von Eurem filmmakers-Team!

Macht eure Hausaufgaben!

Dieser Artikel bedarf keiner langen verschnörkelten Einleitung, der Titel sagt bereits worum es geht: um die (teilweise mangelnde) Pflege eurer Daten. Natürlich habt ihr viel im Kopf, vieles um das ihr euch kümmern müsst. Wir verstehen das. Besonders wenn ihr grade erst umgezogen seid, habt ihr eine Menge auf eurer to-do Liste stehen. In diesem Fall kümmert man sich erstmal um andere Dinge, als um die Pflege seiner Profile auf diversen Plattformen. Jedoch solltet ihr immer daran denken, solche Änderungen zeitnah vorzunehmen. Das ist nicht so wichtig oder zweitrangig, mag der ein oder andere denken. Aber aus gegebenen Anlass, wollen wir euch mal einen aktuellen Worstcase vorstellen:

Die Casterin besetzt eine Rolle mit dem perfekten Kandidaten. Dieser passt genau zu der Rolle und wohnt dann auch noch in der selben Stadt, in der die Produktion stattfinden soll. Super, alle sind happy und freuen sich auf die gemeinsame Zusammenarbeit. Plötzlich stellt sich heraus, dass der Schauspieler seit kurzem am anderen Ende von Deutschland wohnt, die Reisekosten von der Produktion nicht übernommen werden und der Deal platzt! Der Schauspieler ist enttäuscht, die Casterin genervt und eine zukünftige Zusammenarbeit eher ausgeschlossen. Wie kam es dazu? Der Schauspieler hat den neuen Wohnort nicht in seinem fm-Profil eingetragen. Hierüber hat die Casterin allerdings gefiltert und gesucht. Zusätzlich war der Wohnortwechsel bei der Agentur nicht aktualisiert worden, hier stand ebenfalls die alte Adresse.

Schlechter kann es nicht laufen? Doch! Nämlich wenn man garnicht erst Kontakt zu euch aufnehmen kann. Eine leider schon zu oft erlebte Situation ist unser Worstcase Nummer zwei: Die Schauspielerin hat keine Agentur. Das ist in soweit nicht dramatisch, sie hat ja eine digitale Präsenz bei filmmakers. Der Caster geht nun auf die Suche und stößt dabei auf ihr Profil – ein Match, super. Er ruft uns nun an, um ihre Kontaktdaten zu erfragen. Wir geben ihm die angegebene Mobilnummer und Mailadresse durch. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass diese nicht mehr aktuell sind. Wir recherchieren, versuchen alles um die Schauspielerin ausfindig zu machen – erfolglos. Als der Caster unsere negative Rückmeldung erhält, stellt er die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage: “Wenn sie nicht gefunden oder kontaktiert werden will, warum ist sie dann überhaupt bei fm gelistet?” An dieser Stelle können wir seine Reaktion gut nachvollziehen.

Wir wollen euch nicht mit tadelndem Finger ermahnen, es sind eure Profile, die bestückt ihr nach eurem Ermessen. Aber wir wollen euch unterstützen – damit keiner dieser Worstcase Fälle bei euch eintritt. Also setzt euch dran, aktualisiert eure Daten, macht euch sichtbar und vor allem erreichbar. Denn deswegen seid ihr doch bei filmmakers, weil ihr gefunden werden wollt – und weil ihr spielen wollt!

eCasting – der Dauerbrenner

Und immer wieder gibt es Fragen zum Thema eCasting. Denn auch wenn wir uns fast alle damit schon beschäftig haben, läuft es nicht immer rund mit dem digitalen Vorsprechen. Schauspieler Maximilian Dirr unterrichtet genau diese Thematik jetzt am iSFF in Berlin. Wir haben uns mit ihm über den Dauerbrenner eCasting unterhalten:

Du bist Schauspieler und unterrichtest nun auch am Institut für Schauspiel, Film – und Fernsehberufe zum Thema eCasting. Wie kam es dazu?

Das Filmbusiness hat sich in den letzten Jahren sehr geändert und somit muss sich jeder diesem Stil anpassen. Ein bedeutender Punkt ist zb die Art Castings zu machen. Heutzutage werden immer mehr Self Tapes verlangt. Dies erspart den Castern Zeit und bietet ihnen auch die Möglichkeit, mehr Material und junge Talente zu sichten. Jedoch werden diese Self Tapes of innerhalb von 2-3 Tagen verlangt und die Schauspieler/Innen sind meistens auf sich alleine gestellt. Ein gutes Self-Tape ist mindestens genauso wichtg wie ein live-casting. Nur das wird of unterschätzt. Einige nehmen dann schnell und mit einfachen Mitteln ein Video auf, haben aber kein richtiges Licht oder gar einen Anspielpartner und so vertun sich manch gute Schauspieler eine enorme Chance und sind sich dessen garnicht bewusst. Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema eCasting, zumal es für mich als Schauspieler auf dem internatonalen Markt essentiell ist. Deshalb kam ich auf die Idee einen Workshop vorzuschlagen, um junge Talente damit vertrauter zu machen.

Was hältst du persönlich von eCastings?

Anfangs habe ich ein bisschen gebraucht, um mich damit anzufreunden. Sobald ich aber herausgefunden habe, wie man auch mit ganz simplen Mitteln ein gutes eCasting aufnehmen kann, habe ich es sehr schnell zu schätzen gewusst. Gerade auf dem internationalen Markt geht es heutzutage gar nicht mehr anders. Ich liebe nach wie vor live-Castings, aber oft ist man ja selbst irgendwo am Set und verpasst so nicht die Möglichkeit gesehen zu werden.

Was sind totale No-Go`s?

Man sollte tunlichst meiden, schnell ein eCastng in einem Café oder irgendwo auf der Strasse aufzunehmen. Da ist die Geräuschkulisse viel zu groß und man kann ja schlecht sagen: „seid doch bitte mal still“. Und bezüglich der Aufnahmen: Man sollte nie gegen das Licht filmen und auch bei der Camera-Einstellung gibt es ein paar Tricks. Aber besucht doch einfach meinen Kurs 😉

Ist bei einem deiner eCastings schon mal etwas richtig schief gegangen?

Oh ja; ich erinnere mich, als ich in Italien mit einem Theaterstück auf Tournee war und dringend ein eCasting nach Deutschland schicken musste, jedoch keinen Anspielpartner finden konnte. Es war auch mein aller erstes Self tape. Ich habe dann einen italienischen Freund und Kollegen gefragt, aber er tat sich so schwer mit der Ausprache, dass es wie „Gibberish“ klang und sich die Szene von Drama zu einer absurden Komödie verwandelte und ich nicht mehr konzentriert spielen konnte. Somit landete das self tape leider im Müll.

Welche Hilfsmitel (Handy etc.) nutzt du?

Meistens benutze ich tatsächlich nur mein Smartphone, da es am einfachsten zu bedienen ist und man das eCasting via we-transfer verschicken kann. Ich benutze ein Stativ für das Handy, so dass ich zur Not auch alleine eine Intro drehen kann.

Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?

Es gibt einem die Möglichkeit unzählige Leben zu leben und aus den verschiedensten Winkeln einer Person deren Leben näher kennenzulernen. Man entdeckt dabei auch immer wieder neue Dinge über sich selbst, wenn man in das Leben und die Welt einer Figur abtaucht, und das ist extrem faszinierend. Und wenn genau diese Lebensgeschichten und Emotionen bei den Zuschauern ankommen und sie berühren gar zum Nachdenken bringen, ist es eine Genugtuung für mich.

Maximilians Kurs findet am 26. und 27. Oktober in Berlin statt. Wer also noch etwas Support braucht, ist hier genau richtig.

Zappst du noch oder streamst du schon?

Wir kennen sie alle: Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime, Maxdome, Sky – um nur die populärsten zu nennen. Ganz neu mit dabei: Joyn, welcher “Deutschlands größter kostenfreier Streaming-Dienst” werden möchte. Und die Zahl wächst, ständig kommen neue Anbieter mit spannenden Serien, Filmhighlights und eigenen Produktionen auf den Markt. Was auch kein Wunder ist, denn Streaming ermöglicht uns zu gucken was wir wollen, wann wir wollen und wo wir wollen. Während man vor einigen Jahren noch pünktlich zu seiner Lieblingsserie vor dem Fernseher saß, schaut man heute wann es einem passt. Wir haben die freie Wahl – und das gefällt uns!

Bei all der Freiheit und den spannenden Serien auf Netflix & Co., über die jeder spricht und die man nun mal gesehen haben muss um mitreden zu können, stellt sich die Frage nach dem klassischen Fernsehen. Ganz wie in alten Zeiten pünktlich vor der Flimmerkiste sitzen und Familienduell schauen – gibt’s das noch? Und wer erinnert sich nicht daran, wie man sich früher vor dem Fernseher zum gemeinsamen „Wetten das?“ Gucken versammelt hat? Fernsehen war eine soziale und auch zeitliche Routine, an die man gewöhnt war. Vieles davon fällt nun durch das individuelle streamen weg. Außer man trifft sich natürlich zum gemeinsamen Game-of-Thrones Gucken oder Mädelsabend mit Disneyfilm-Marathon.

Apropos: Im November geht Disney mit dem eigenen Streamingdienst Disney+ auf den Markt. Dafür hat man sich unter anderem die Simpsons an Board geholt – alle 30 Staffeln. Das hat bisher kein Anbieter geschafft. Außerdem hat der Konzern viele Eigenproduktionen mit hohem Budget, zum Beispiel eine StarWars und eine Marvel Serie angekündigt. Natürlich werden auch die altbekannten und geliebten Klassiker wie „Die Schöne und das Biest“ hier vertreten sein. Wann genau Disney+ auf den deutschen Markt kommt ist allerdings noch unklar. AppleTV+, WarnerMedia und NBCUniversal wollen natürlich ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben und kommen daher zeitnah als weitere Anbieter auf den Markt.

Aber wie steht es denn nun um unsere einst so geliebte Flimmerkiste? Seit Jahren hört man Thesen und Vermutungen darüber, wann das Fernsehen tot sein wird.  Medienexpertin Lisa Jäger: “Immer mehr Menschen wenden sich vom linearen Fernsehen ab“. Verschiedene Studien, Expertenmeinungen und Interviews mit wichtigen Konzernbossen bringen im undurchsichtigen Informationsdschungel wenig Klarheit. Fest steht allerdings laut der aktuellen Umfrage von YouGov, dass Streaming besonders bei den Millennials zum Alltag dazu gehört. 70% haben mindestens einen Anbieter abonniert – bei der Bevölkerung ab 35 sind es auch schon 52%, mit steigender Tendenz. Laut einer anderen Studie kommen so die Millennials nur noch auf täglich 94 Fernsehminuten, während die über 60-Jährigen 248 Minuten vor dem Fernseher verbringen. Bei den Jüngeren, deren TV-Konsum seit 2011 kontinuierlich sinkt, kommen dafür allerdings täglich 53 Minuten für Streamingdienste und Youtube dazu, die von der Generation Ü60 derzeit noch wenig genutzt werden. Laut YouGov sind die Nutzer allerdings gesättigt, alle befragten Altersgruppen gaben in ähnlichen Verteilungen an, dass es bereits zu viele Streaming-Plattformen gibt. Es wird sich also zeigen wie und ob sich Disney+ und Co. etablieren können.

Die Zukunft könnte nach der Komplementärthese wie folgt aussehen: das eine Medium wird das andere nicht verdrängen, sondern ergänzen. “Online und lineares Fernsehen schließen sich nicht aus” so Dirk Reinbothe, Director und Experte für den Streaming- und TV-Markt bei Nielsen. Außerdem belebt Konkurrenz ja bekanntlich das Geschäft, den Kampf um kreative Köpfe und Fachkräfte. Und beschert uns ganz nebenbei einfach ein viel größeres Angebot an Entertainment. Wir haben, wie in unserer jetzigen Zeit eigentlich überall, ein Überangebot bis Überfluss und letztendlich die Qual der Wahl. Wir wollen alle Freiheit zu entscheiden  – in diesem Fall was wir gucken wollen – und verbringen am Ende wahrscheinlich den ganzen Abend mit der Suche nach dem richtigen Programm.

Erweitert der zusätzliche Streamingmarkt die Chancen für Schauspieler und Filmschaffende? Wie ist euer Fernsehguck-/Streamingverhalten?

Lasst uns eure Meinung da, wir sind gespannt was ihr denkt!

 

 

 

Das Ungleichgewicht unserer Branche

Die unterschiedliche Behandlung von Mann und Frau – ist gefühlt und real ein Dauerthema. Begriffe wie Gender Pay Gap, Lohn(un)gleichheit, sowieso Gleichbehandlung und der Ruf nach Frauen in Führungspositionen ist uns allen nur zu gut bekannt. Vielleicht so bekannt, dass wir mittlerweile abgestumpft sind?

Vor rund einem Monat wurde die von den Rostocker Wissenschaftlerinnen Professorin Elizabeth Prommer und Dr. Christine Linke in Berlin durchgeführte Studie zum Thema Ausgeblendet – Frauen im deutschen Film und Fernsehen präsentiert. Und die vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass all die Diskussionen und Berichte zum Thema Ungleichbehandlung gerechtfertigt sind. Unsere Branche wirkt in dieser Hinsicht erschreckend stereotyp, traditionell und wenig fortschrittlich!

Entertainment, Fernsehen und Film, hier werden Rollenbilder geschaffen. Rollenklischees in denen Frauen zumeist jung, hübsch und dekorativ sind. Jung heißt hier maximal Ende 20, denn ab 30 verschwinden sie sukzessive vom Bildschirm und von der Leinwand. Und dies gilt für alle Sender und Genres gleichermaßen. Dagegen steht der starke und kluge Mann, der bis ins hohe Alter die entscheidendsten Rollen spielt und dem dabei zumeist eine überverhältnismäßig jüngere Ehefrau zur Seite gestellt wird. Welches gesellschaftliche Bild wollen wir damit erschaffen?

Und diese Rollenbilder sollen sich offensichtlich schon in den Köpfen unserer Kinder festsetzen. Denn die Studie hat ebenfalls herausgefunden, dass selbst im Kinderfernsehen die Cliquenanführer zu 80% männlich sind und auch Wissensendungen von den Herren dominiert werden. Um das Klischee abzurunden: drei Viertel der weiblichen Körper in Zeichentrickserien haben eine so schmale Taille, dass Rippen und Organe gar keinen Platz finden würden. Demgegenüber werden aber nur 25 Prozent der männlichen Körper zu schmal gezeichnet. Unsere Kinder erfahren also bereits von Beginn an, wie ein Junge und wie ein Mädchen vermeintlich auszusehen und sich zu benehmen haben.

Natürlich spiegeln sich die Rollenklischees nicht nur in der optischen Darstellung wieder. Auch die inhaltliche Positionierung ist deutlich: der Mann erklärt die Welt. Sie sind die Experten, die Journalisten, Sprecher und die Gameshow-Hosts. In Zahlen ausgedrückt: In deutschen Fernsehserien sind 62 Prozent der Hauptakteure Männer. Bei Informationsprogrammen sind es gar 68 Prozent und wenn Experten zu Wort kommen, dann sind es in 79 Prozent der Fälle die männlichen Kollegen. Caster Clemens Erbach sagt dazu: „Irgendwo ist in den Köpfen verankert, dass Ärzte und Anwälte grundsätzlich von Männern gespielt werden sollen und so fndet man es häufig auch in den ersten Drehbuchfassungen. Das ist natürlich völliger Quatsch und spiegelt mitnichten die gesellschaftliche Realität wieder!

Die Frau wird somit einfach nicht authentisch dargestellt und statt ein Spiegelbild unserer Gesellschaft zu zeigen, werden weiterhin veraltete Rollen- und Geschlechterbilder in die Köpfe der Zuschauer zementiert. Bereits 2017 stand in der Berliner Zeitung in einem Artikel von Melanie Reinsch: „Auf den Bildschirmen sind Frauen nur zu 30 Prozent sichtbar, während sie doch eigentlich die Hälfte der Gesamtbevölkerung vertreten.Wo sind also all diese Frauen wenn wir die Flimmerkiste einschalten oder ins Kino gehen?

Nicht zu vergessen die vielen kritischen Äußerungen der Schauspielerinnen, die diese Ungleichbehandlung schon oft öffentlich angesprochen haben. Denn gänzlich neu ist diese Diskussion in der Schauspiel- und Medienbranche sicher nicht. Und „me-too“ mal ganz außen vorgelassen! Schauspielerin Nina Vorbrodt sagte 2015 in einem Interview „…als Frau hat man es auf jeden Fall in der Schauspielbranche sehr schwer, denn in jedem Film, in jeder Serie gibt es grundsätzlich überwiegend Männerrollen, so wie es auch überwiegend Regisseure, Kameramänner, Tonmeister, Beleuchter etc. gibt. Da ist noch viel Handlungsbedarf, was die Gleichstellung von Frauen und Männern betrifft.“ Damit hat Nina vollkommen Recht. Denn tatsächlich arbeiten auch weniger Frauen hinter der Kamera. Und natürlich verdienen sie weniger als ihre männlichen Kollegen – wen wundert das noch?

Mit Hilfe der Auswertung von 3.500 Stunden Fernsehen und 800 deutschen Kinofilmen hat man nun die Daten vorliegen, welche diese Äußerungen und Wahrnehmungen untermauern. Und ganz offenbar haben wir hier noch einiges zutun. Für uns erschreckend und zugleich der Auslöser drüber zu schreiben, ganz egal ob das Thema dem ein oder anderen schon zu den Ohren raushängt! Eine Folgestudie wird 2021 neue Erkenntnise liefern – und zeigen ob sich was verändert hat!

Wir hoffen, dass sich in unserer und allen anderen Branchen ein gesundes Gleichgewicht sowie ein stärkeres Bewusstsein einstellen wird.

Lasst uns wie immer eure Gedanken und Meinung zum Thema wissen.

 

Instagram in der Schauspielbranche – ein Blick auf das soziale Netzwerk

Egal ob Hobbyfotograf, Ernährungsjunkie, Mamablogger oder professioneller Influencer – auf den sozialen Medien ist alles und jeder vertreten. Der Begriff Social Media ist nicht mehr wegzudenken und ein Dauerthema, positiv sowie kritisch betrachtet. Und auch im Schauspiel bekommt der digitale Auftritt eine immer größere Rolle. Dabei rückt vor allem Instagram, welches Facebook als die beliebteste Plattform immer mehr ablöst, in den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Im Oktober 2010 gegründet, wurde das Netzwerk im April 2012 für 1 Milliarde Dollar von Facebook aufgekauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte Instagram 30 Millionen Nutzer, heute sind es pro Tag 500 Millionen und 1 Milliarde monatlich.

Ein ziemlich beliebtes Netzwerk also, welches schon lange nicht mehr als reine Freizeitbeschäftigung genutzt wird. Firmen, Persönlichkeiten, Unternehmer, TV-Serien, Verlage etc. – sie alle nutzen Instagram aus hauptsächlich einem Grund: Marketing. Denn mit vielen Followern ist man automatisch viel erfolgreicher, so die allgemeine Annahme. Ob nun Social Media Fan oder nicht, man sollte sich mit dem Netzwerk auseinandersetzen. Denn nicht von der Hand zu weisen ist, dass immer mehr Jobs, zum Beispiel in der Modelszene, anhand von Followerstatistiken vergeben werden. Diese Vorgehensweise der Besetzung findet scheinbar, wenn auch bis jetzt noch seltener, im Schauspiel ebenfalls Einzug. Der „GZSZ“-Darsteller Sascha Pederiva (@saschapederiva) sagte dazu in einem InterviewEin Beispiel: Wenn sich zwei Schauspieler mit ähnlichen Referenzen gegenüberstehen – der eine mit 5.000 Followern, der andere mit 50.000 – werden sie meiner Meinung nach natürlich den mit der größeren Reichweite nehmen, weil er mit der Produktion einfach viel mehr Menschen erreicht.“ Eine absolut logische Schlussfolgerung und nachvollziehbare Vorgehensweise. Auch wenn dies nicht unbedingt eine qualitative Entwicklung ist, denn nur weil jemand eine größere Community hat, ist er oder sie nicht automatisch in seinem Job begabter. Trotzdem scheint Instagram unverzichtbar geworden zu sein. Auf dem Blog der Theaterakademie Köln lässt sich sogar lesen: „Für Schauspieler/Schauspielerin ist diese Social Media Plattform Pflicht“. „Instagram in der Schauspielbranche – ein Blick auf das soziale Netzwerk“ weiterlesen

Networking auf Branchenevents


Heute beginnen die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin und sind – wie jedes Jahr – gesäumt von Agenturempfängen, Partys und sonstigen Events. 
Die ganze Branche kommt zusammen; ein großes Klassentreffen, mit all jenen, die man bereits kennt. Aber wie nutzt man solche Veranstaltungen, um neue Leute kennen zu lernen und zum Beispiel CasterInnen positiv im Gedächtnis zu bleiben?

“Wenn man Branchenevents gut für sich nutzen kann, sind sie unbedingt sinnvoll. Wenn nicht ggf. sogar schädlich”, sagt Alina Gause, Beraterin für KünstlerInnen und Dozentin am iSFF.
Denn wer seinem eigenen, natürlichen Gefühl für passende und angemessene Kontaktaufnahme, das im Alltag meist automatisch gut funktioniert, auf Branchenveranstaltungen nicht vertraut oder glaubt, es überwinden zu müssen, wirkt schnell unsicher und macht im schlimmsten Fall eher einen schlechten Eindruck.
In Alina Gauses Workshop “Die dritte Person” – Anbieten ohne Anbiedern, stellen die TeilnehmerInnen darum typische Situationen solcher Events nach um aufzuzeigen, “wie unpassend Verhaltensweisen sein können, die Schauspielern gerne empfohlen werden oder die sie selbst für zielführend halten, wie “Hartnäckig bleiben”, “Überall sein”, “Auffallen”…”, erzählt Gause.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, locker und entspannt ins Gespräch zu kommen, schließlich „Networking auf Branchenevents“ weiterlesen